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Allgemeine Bauzeitung

Ausgabe 14. Juni

500 Jahre Stahlbearbeitung

TCC ist ältestes deutsches Familienunternehmen

Mehr als 90 % der deutschen Unternehmen sind familienge­führt, kaum ein anderes Land verfügt über eine derart solide unternehmerische Basis. Doch auch hierzulande können nur wenige Unternehmen auf eine so lange Tradition zurückbli­cken wie The Coatinc Company (TCC). international agierender Oberflächenveredler mit Stammsitz in Siegen. Hier rei­chen die unternehmerischen Wurzeln zurück bis ins 16. Jh., noch weit vor die Anfänge der industriellen Stahlerzeugung.

Bochum (ABZ). – 500 Jahre TCC-Ge­schichte sind zugleich ein halbes Jahr· tausend Metallbe- und -verarbeitung aus dem Siegerland. Sie markieren die außer­gewöhnliche Entwicklung eines Werkstof­fes und einer Region von der Wiege des Bergbaus bis hin zum elementaren Wirt­schaftszweig. Denn die Siegerländer Re­gion, seit jeher geprägt von der Erzge­winnung und -verarbeitung, gilt als eine der ältesten Montanregionen Europas: Spuren des Bergbaus finden sich bereits bei den Kelten (500 v. Chr.). Später ent­wickelten gerade die ortsansässigen Un­ternehmerfamilien die Region zur inno­vativen Industriebranche weiter. Den Know-how-Transfer über Jahrhunderte hinweg schafft jedoch nur, wer sich mit seiner eigenen Geschichte auseinander­setzt. Die Beschäftigung mit den eigenen Wurzeln hat bei uns Tradition“, erläutert Paul Niederstein, geschäftsführender Ge­sellschafter der TCC. 2017 bewog ihn ein Buchprojekt seines Vaters Klaus Nieder­stein, tiefer in die eigene Historie ein­zusteigen: Literatur über die lange Ge­schichte und unternehmerische Tätigkeit der Familie findet sich bei weitem, nicht nur in unseren Familienarchiven, son­dern auch in den Archiven anderer Un­ternehmen sowie in den Stadtarchiven Siegens, Kreuztals und darüber hinaus.“ Als wegweisend für die eigene Ahnenfor­schung erwies sich ein besonderes Ge­schenk: 1918 überreichte Emmy Dresler ihrem Vater Heinrich Adolf Dresler anlässlich seines 85. Geburtstages auf dem damaligen Familienanwesen, der Villa in Dreslers Park in Kreuztal, ihre „Ge­schichte der Familie Dresler“. Das Buch zeichnet detailliert den Werdegang der Vorfahren von der ersten Generation bis hin zum Vater auf. Um Ihr Werk bis heu­te zu ergänzen, beauftragte Paul Nie­derstein 2018 einen Historiker, der wei­tere Nachforschungen anstellte. Ein Blick ins Deutsche Geschlechterbuch machte schnell deutlich: The Coatinc Company schaut auf eine jahrhundertelange Tätig­keit in der Stahlbranche zurück. Der zündende Funke sprang über, als Paul Niedersteins Vorfahre und Stahlschmiede-Meister Heylmann Dresseler im Jahre 1502 einen Feuerschilling zahl­te, um die örtliche Feuerstelle zu nutzen. Zu dieser Zeit genoss der Beruf des Schmieds höchstes Ansehen, da Eisen und Stahl für alle Werkzeuge des tägli­chen Gebrauchs benötigt wurden. Sieben Generationen später besaß der erfolgrei­che Eisenhändler Johannes Dresler be­reits Anteile an mehreren Eisenhütten und die Familie gewann von Generation zu Generation an Einfluss. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jhs. ent­wickelte sich die Stahlindustrie zu einem bedeutsamen Wirtschaftszweig. Johann Heinrich Dresler II., geboren 1745 in Sieghütte, investierte stark in die Eisen- und Stahlverarbeitung. Er beteiligte sich früh am Wachstum der jungen Branche und trieb damit auch die Industrialisie­rung der Region voran: Neben Anteilen am Sieghütter Hammer hatte er das fürst­liche Monopol für die Produktion -von Kleineisen- und Stahlfabrikaten inne und revolutionierte ebenfalls mit modernen Webstühlen die damals im. Siegerland stark ausgeprägte Textilwirtschaft. Die Dreslers formten ihre Heimat aber auch politisch. So stellte die Familie mehr als 200 Jahre, von der fünften bis zur zehnten Generation, den Bürgermeister der Stadt Siegen. Ende des 19. Jhs. wurde Heinrich Adolf Dresler, damaliger Aktio­när und Direktor der Siegener Verzinke­rei Actiengesellschaft (später SAG), in den Reichstag gewählt. Seine Tochter Luise Dresler heiratete den protestanti­schen Pfarrer und Superintendenten Al­fred Emil Niederstein. Aus ihrer Ehe ging ein neuer Ast im Stammbaum hervor: Ihr zweiter Sohn Werner Niederstein, ge­boren 1901, stieg 1923 als junger Mann in die SAG ein. 1945 wurde Werner Nie­derstein zum alleinigen Vorstand der Sie­gener Actiengesellschaft und – nach dem Zweiten Weltkrieg – durch die Besatzer ebenfalls zum IHK-Präsidenten ernannt. Er baute das Geschäft zunehmend aus. Mit seinem Sohn Klaus Niederstein be­gann dann später die Internationalisie­rung des Unternehmens. Heute leitet Paul Niederstein als Spre­cher der Geschäftsführung und Mehr­heitsgesellschafter The Coatinc Company, die ihrem Stammsitz in Siegen stets treu geblieben ist. Zur Gruppe gehören inzwischen 32 Standorte und mehr als 2200 Mitarbeiter, inkl. Beteiligungen in Europa, der Türkei, Mexiko und Kalifor­nien. Als Unternehmen und als Familie ha­ben wir ein tiefes Verständnis für unsere Geschichte und den Werkstoff Stahl, der uns seit über 500 Jahren begleitet. Aber auch für unsere bodenständige und auf eine ganz spezielle Weise eigenwillige, raue Region“, so Paul Niederstein . Hier finden wir all die Werte vor, die uns täg­lich Orientierung geben und unser Be­stehen über so lange Zeit sichern. Zudem bestimmen auch christliche Grundwerte, die sich über die Jahrhunderte bewährt haben, unser Handeln.“ Die intensiven Recherchearbeiten führ­ten jüngst dazu, dass The Coatinc Com­pany offiziell von der Stiftung Familien­unternehmen als das älteste Familienun­ternehmen Deutschlands gelistet wurde.

Veröffentlicht in: „Allgemeine Bauzeitung“ (Ausgabe 14. Juni)

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